Das goldene Dreieck, natürliche Auslese und Grabenkämpfe

Der abendliche Weg im Auto nach Hause hat mich dazu inspiriert über das goldene Dreieck zu schreiben, während mich ein Radfahrer fast in den Straßengraben gedrängt hätte und ein Fußgänger mir die Motorhaube mit seinem Kopf demolierte.



Vorweg ein Danke an Alex, René und Thomas für die Inspiration.

Natürliche Auslese

Gemeingefährlich sind sie, diese Drahtesel Besitzer. Schon auf dem Weg von der Haustüre zu meinem Auto hätte mich fast einer zur Strecke gebracht. Das penetrante nachklingeln mit dieser Schrillen Glocke nervt aber mindestens genauso viel. "Wie wärs mit vorher klingeln?" Das umgedrehte, helm- und sonnenbrillenverdeckte Gesicht mit dem ausgestreckten Mittelfinger ignoriere ich dezent. Klar das der Typ radfahren muss. Sein Feinkostgewölbe hindert ihn sicher dabei gerade zu gehen. "Fahr doch einfach gegen die nächste Wand, Arschloch."

 

Gerade wieder auf Normalpuls von 120 angelangt nähere ich mich dem Zebrastreifen. Ein Auto in sicherer Entfernung nähert sich. Mal einfach den ersten Schritt auf den Zebrastreifen machen, er wird schon stehenbleiben. Stopp. Stooopp. Ein Satz zurück rettet mir das Leben. Der Opel Opa fährt weiter, als ob nichts geschehen wäre. Valium?

 

Der nächste Versuch. Zwei Schritte, aber der blaue BMW mit den dunklen Scheiben beschleunigt noch. Im vorbeifahren bekommt das Dach des BMWs meine Faust zu spüren. Ist dem Dach ziemlich egal.

 

Ich will schon weitergehen als vier quietschende Reifen den BMW zum Stehen bringen. "Komm steig aus, damit ich dir mal die Meinung sagen kann du potenzloser Vollidiot". Das macht er auch. Ein endloser Muskelberg quetscht sich aus dem Auto. Er fängt oben an den Schultern an und wölbt sich bis zum Anfang seiner Adidas Schuhe. Zwischen den Ohren trifft mich so ein Anabolika-Heroin-Blick, und die aufgepumpten Lippen krächzen zu mir: "Hasda Proplem?"

 

Allein schon wegen der tollen Aussprache will ich etwas antworten, denke an die mir verbleibenden Lebensjahre und entscheide mich dann dafür mein Maul zu halten, bevor ich den Zebrastreifen rot einfärbe. Mein Puls ist auf 220, mehr als diese blaue Kiste jemals erreichen würde. Dennoch drehe ich mich langsam nach links und gehe ohne Kommentar weiter. Das Gefühl, dass mich jederzeit ein Vorschlaghammer treffen könnte sitzt mir im Nacken, bis ich die vier quietschenden Reifen in eine Kurve fahren höre. "Auf das dich ein Fiat Panda auf der Autobahn rechts überholt, du Affe".

 

So, den ersten Abschnitt des Tages überstanden. Die natürliche Auslese der Fußgänger hat mich heute verschont.

 


Von Kriechern und Kugelflitzern

120 auf der Landstraße. Kein Auto vor mir. In der Gegenrichtung Stau. Die nächsten 10 Kilometer gehören mir. Da nehmen meine Augen in der Ferne einen Punkt wahr. Schnell wird der Punkt größer und entwickelt sich zu einem großen Ball, der auf einem Strich hin und her wankt. Nach einer quasi Vollbremsung sehe ich das ganze Ausmaß des Desasters. Ein Kriecher vor mir. Zwei Räder, ein Lenker, Pedale, Helm.

 

Die Tachonadel pendelt zwischen 20 und dort wo keine Zahlen mehr vorhanden sind. Kein Überholen möglich, Stau. Na klar. 9,37km im Schritttempo. Und wozu gibt es eigentlich den Radweg neben der Straße? Meine Finger tippen die Hupe an. Keine Reaktion. Vielleicht hat er mich nicht gehört. Bei 15km/h ist der Fahrtwind ja auch wirklich stark. Also nochmal. Ah, er hört mich doch. Das merke ich, weil der Pedalritter nun penetrant statt am Rand zu fahren in die Mitte der Fahrbahn schwenkt. Echt jetzt?

 

Meine Faust prügelt auf die Hupe. Keine Regung. Also runter mit dem Fenster und Schimpftiraden loslassen. Keine Wirkung. Mein Kopf schwillt zu einem roten Globus an und scheint gleich zu explodieren. Hoher Blutdruck? Leicht untertrieben.

 

Endlich ein wenig Platz zum Überholen, also vorbei, Fenster runter und ordentlich meinen Zorn äußern. Mein Morgenkaffeebecher, der noch halb voll ist, fliegt in einer perfekten Kurve durch das Beifahrerfenster und ergießt sich gleichmäßig über den Kugelflitzer.

 

300m später sehe ich ein herumschwenkendes Licht. Weitere 100m später stehe ich hinter einem Polizeiwagen. Der Radfahrer ist auch schon da. Ha, denen werde ich erzählen, was der Möchtegern-Tour-de-France-Sieger für ein Verkehrshindernis ist.

 

Voller Schwung steig ich aus dem Wagen, als ich einen der Polizisten mit dem Radfahrer sprechen höre. "Na Gustav, alles in Ordnung?". "Servus Kurt. Hab nur meinen Schlüssel im Revier vergessen, aber der Möchtegern-Formel-1-Fahrer da drüben hat es nicht ausgehalten, dass ich im Training bin. Hat ständig gehupt, herumgepöbelt und mich auch noch mit Kaffee beschossen ...". Ich wurde darüber belehrt, was Rennradfahrer dürfen:

 

Rennradfahrer dürfen die Straße benützen, auch wenn daneben ein Radweg verläuft (§ 68, Abs. 2). Ein Fahrrad gilt als Rennrad, wenn es fahrbereit höchstens 12 kg wiegt, es einen Renn- oder Triathlonlenker hat, die Felgen höchstens 23 mm breit sind und einen Durchmesser von mindestens 630 mm haben.  Auch der Rennradfahrer muss sich als solcher deklarieren, durch seine Kleidung. Sie muss seine Trainingsabsicht „zur Steigerung und Optimierung der Leistung“ kundtun. Also Radtrikot. Wer etwa mit dem Rennrad im Anzug zur Arbeit fährt, muss auf den Radweg. Rennradler dürfen bei Tag auf Scheinwerfer, Rücklicht, Reflektoren und Klingel verzichten.

 

Aha, aber eine Mindestgeschwindigkeit wäre auch von Vorteil, und eine Regelung, dass das Gewicht des Fahrers das 10-fache Gewicht des Rades nicht übersteigen darf auch. 45 Minuten zu spät und 365 EUR ärmer, die Rechnung für die Reinigung des Trikots nicht inkludiert, darf ich nun weiter fahren.


Die Runde

Training ist angesagt. Was bietet sich bei windstillem, sonnigen Frühlingswetter mehr an, als eine Runde auf dem Mountainbike zu drehen. Also rauf auf den Sattel und die kleine Runde. Ganze 42 Höhenmeter sind zu bewältigen. Ich will ja nicht gleich mit der großen Runde und kräfteraubenden 122 Metern nach oben starten.

 

Ich quäle mich die Straße hinauf, während mich die LKWs so knapp überholen, dass ich fast in das Maisfeld ausweichen muss. Zum Glück ist es erst Frühling und es fängt gerade erst alles an zu wachsen, aber Gott bewahre, wenn ich in ein Maisfeld stürzen würde. Kein Wunder, dass mein Radcomputer nur knapp 10km/h anzeigt, bergauf, die ganzen Abgase einatmend.

 

An der ersten Ampel schlängle ich mich an allen Blechkisten wieder vorbei. Aber es gibt natürlich immer ein paar, die mir unbedingt was zu Fleiß machen wollen und stellen sich ganz rechts an den Rand, damit ich ja nicht vorbeikomme. Demonstrativ fahre ich dann ganz knapp vorbei und klappe ihren rechten Seitenspiegel um.

 

Endlich von der Straße runter geht es den Berg hinauf. Meine 3-20-20 wieder geschafft: 3 Kilometer, 20 Höhenmeter in 20 Minuten. Rekord. Jetzt geht es endlich wieder bergab. Gerade beim schönsten Abschnitt der Abfahrt sehe ich vor mir zwei Gestalten über den Weg schlendern. Gerade so, dass ich nicht vorbeikomme. Denen zeig ich es. Mit extra Tritten in die Pedale hole ich mir genügend Schwung, um beide beim Vorbeifahren fast umzureißen.

 

Nach dem Überholmanöver werden Helm und Sonnenbrille noch zurechtgerückt, die Klingel kräftig betätigt, der Kopf nach hinten gedreht und der Stinkefinger gehoben. "Verdammte bodenkriechende Fleischhindernisse".


Das goldene Dreieck

Interessant, welche Sichtweisen man so einnimmt, wenn man im Auto, auf dem Rad, oder zu Fuß unterwegs ist. Aber klar ist, man hat immer Recht, oder?

 

Das goldene Dreieck hatte ich mir als Symbol überlegt, für die drei Fortbewegungsarten und unsere Einstellung dazu. Jeder hockt in seinem Eck und sieht nur sich. Irgendetwas dürfte bei uns ausklinken, wenn wir unterwegs sind. So als hätten wir uns vorher etwas gespritzt. Vielleicht eine extra Portion Ego, Potenzmittel und Griesgrämigkeit?

 

Vielleicht nur Zufall, aber wenn man auf google "das goldene Dreieck" eintippt gelangt man zu einem Wikipedia Artikel, der dies so beschreibt:

 

Das Goldene Dreieck ist eine Region im Grenzgebiet der Staaten Laos, Thailand und Myanmar, in der Schlafmohn (Papaver somniferum) angebaut und zu Heroin verarbeitet wird. Die Bedeutung des Goldenen Dreiecks als Lieferant für den weltweiten Heroinmarkt ist durch die Drogenproduktion in Afghanistan spürbar gesunken.

 

Interessant ist auch, dass die CIA da die Finger im Spiel hatte, die Drogen während des Vietnamkriegs in den Welthandel zu bringen, um mit dem Geld befreundete Armeen zu finanzieren. Warum ist nun die Produktion von Drogen in Afghanistan so sprunghaft angestiegen. Von ganz alleine?


Takeaways

 

1. Faust vs. Autodach gewinnt Autodach.

2. Anabolika und Heroin vertragen sich nicht so ganz.

3. Vorsicht, jeder übergewichtige Rennradfahrer darf mitten auf der Straße fahren

und könnte ein Polizist sein.

4. Neues Renntrikot auf Amazon in XXL kostet ca. 70 EUR.

5. Bodenkriechende Fleischhindernisse sind nicht nur Regenwürmer und Igel.

6. CIA steht für Certified International Assholes.


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Kommentare: 2
  • #1

    dawuschn (Sonntag, 17 April 2016 19:39)

    ich bin kinderwagen-ralley-pilotin und genieße es sehr, gelegentlich den ein oder anderen traktor auszubremsen. .. langsam sind sie leiser und wecken den co-piloten nicht auf! ;-) ... mach nur weiter so! i like ... freu mich übrigens auch über feedback!

  • #2

    Gabriel Waid (Donnerstag, 02 Februar 2017 18:14)


    Hey there! This post could not be written any better! Reading through this post reminds me of my previous room mate! He always kept talking about this. I will forward this post to him. Pretty sure he will have a good read. Thank you for sharing!